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Wertschätzung im Friseursalon: Warum ein ehrliches Danke so viel bewirkt

Friseurmeisterin Jasmin Werner und eine Friseurin arbeiten Seite an Seite an einem Übungskopf, im Spiegel schauen zwei weitere Frauen zu
„Es kostet mich nichts, meine Mitarbeiter:innen zu loben. Es kostet mich nichts, mich bei ihnen zu bedanken. Aber es lässt uns beide wachsen.“

Diesen Satz habe ich in einem Interview gesagt, und ich stehe heute mehr denn je dahinter. Wir sprechen in unserer Branche ständig über den Fachkräftemangel. Wir suchen Mitarbeiter:innen, schalten Anzeigen, hoffen auf Bewerbungen. Aber wir reden viel zu selten darüber, wie wir die Menschen halten, die schon da sind.

Die Antwort beginnt oft bei etwas sehr Einfachem: Wertschätzung.

Ich kenne beide Seiten

Ich weiß, wie es sich anfühlt, als Mitarbeiterin nur eine Nummer zu sein. Vor allem eines: Umsatzbringerin. Wenn man sich nur noch über das definiert, was man leistet.

Und ich habe gesehen, wie viele gegangen sind. Manche haben nicht nur den Salon verlassen, sondern den Beruf ganz aufgegeben. Weil sie sich zu wenig gesehen und zu wenig wertgeschätzt gefühlt haben. Weil viel verlangt, aber wenig zurückgegeben wurde.

Besonders traurig ist das bei denen, die eigentlich alles gegeben hätten. Der Ausstieg beginnt nie mit einem Knall. Er beginnt leise. Die Menschen werden stiller, bringen sich weniger ein, ziehen sich zurück. Bis sie eines Tages ganz weg sind. Zu oft habe ich gute Leute so gehen sehen.

Auch ich konnte mich irgendwann nicht mehr mit der Marke identifizieren, für die ich so lange gearbeitet hatte. Das war schwer, denn ich habe mich dort sehr zugehörig gefühlt. Aber ich habe viel daraus gelernt. Vor allem, wie ich es als Führungskraft und Inhaberin nicht machen möchte.

Mein Grundsatz: Es muss für beide passen

Ich versuche immer, beide Perspektiven einzunehmen: die der Mitarbeiter:innen und die der Unternehmerin. Mein Grundsatz ist einfach: Es muss eine Win-win-Situation für beide sein. Nur dann gewinnen beide, und nur dann bleiben Menschen langfristig.

Dazu gehört auch: Ich verlange nichts, was ich nicht selbst bereit bin zu leisten.

Wertschätzung ist kein Wohlfühlthema

Wertschätzung klingt für manche nach Kuschelkurs. Nach etwas, das man sich leisten kann, wenn sonst alles läuft. Das Gegenteil ist der Fall.

Wenn Menschen als Ganzes wahrgenommen werden, mit dem, was sie erreicht haben, und mit den Qualitäten, die sie ins Unternehmen einbringen, dann bleiben sie. Wer dagegen nur an Zahlen gemessen wird, fragt sich irgendwann, wofür er oder sie das alles macht.

Wertschätzung ist deshalb keine nette Zugabe. Sie ist eine Grundlage dafür, dass ein Team stabil bleibt, dass Menschen mit Freude arbeiten und dass Kund:innen genau das spüren.

Lob wirkt nur, wenn es konkret ist

„Passt schon.“ „Gut gemacht.“ Das ist gut gemeint, aber es bleibt nicht hängen. Wirkliche Wertschätzung zeigt, dass du hingeschaut hast.

Statt: „Gut gemacht.“
Besser: „Mir ist aufgefallen, wie ruhig du mit der Kundin vorhin umgegangen bist, obwohl sie so gestresst war. Das war richtig stark.“

Statt: „Danke fürs Einspringen.“
Besser: „Danke, dass du heute den Termin übernommen hast. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist, und ich sehe das.“

Konkretes Lob zeigt: Ich sehe dich, nicht nur deine Arbeitszeit. Und es kostet genau zehn Sekunden.

Augenhöhe heißt nicht, Verantwortung abzugeben

Auf Augenhöhe zu führen bedeutet nicht, dass alle alles entscheiden. Die Verantwortung bleibt bei der Unternehmerin bzw. beim Unternehmer. Aber gute Lösungen entstehen oft gemeinsam.

Für mich heißt Augenhöhe:

  • Zuhören, bevor ich entscheide.
  • Nachfragen, statt anzunehmen, dass ich schon weiß, was los ist.
  • Das Team einbeziehen, wenn es um Abläufe geht, die alle betreffen.
  • Zugeben, wenn ich etwas nicht weiß. Unser Unternehmen ist noch jung, und ich habe nicht auf alles eine Antwort. Das muss ich auch nicht.

Mitarbeiter:innen, die erleben, dass ihre Meinung zählt, denken mit. Sie bringen Ideen ein, übernehmen Verantwortung und fühlen sich als Teil von etwas, nicht als Teil eines Dienstplans.

Wertschätzung zeigt sich im Terminkalender

Das schönste Danke verliert seine Wirkung, wenn der Alltag das Gegenteil sagt. Wertschätzung zeigt sich nicht nur in Worten, sondern in Rahmenbedingungen:

  • Keine Doppelbuchungen und eine Terminplanung, die Luft lässt.
  • Echte Pausen, und die Möglichkeit, kurz aus einer Situation herauszugehen, ohne dass es negativ ausgelegt wird.
  • Faire Bezahlung. Und die beginnt bei den richtigen Preisen. Wer seine Leistung unter Wert verkauft, kann auch keine ordentlichen Löhne zahlen.

Wer seinem Team sagt „Du bist mir wichtig“ und gleichzeitig den Kalender bis zur letzten Minute vollstopft, sendet zwei widersprüchliche Botschaften. Und die zweite ist meist lauter.

Wertschätzung funktioniert in beide Richtungen

Wertschätzung ist keine Einbahnstraße. Sie gilt genauso unter Kolleg:innen und auch gegenüber der Salonleitung.

Viele Mitarbeiter:innen sehen, dass Kund:innen mehrere hundert Euro bezahlen. Was sie oft nicht sehen: wie wenig davon am Ende wirklich im Unternehmen bleibt, nach Löhnen, Miete, Material und Steuern. Transparenz hilft hier beiden Seiten. Wer versteht, wie ein Salon wirtschaftlich funktioniert, kann Entscheidungen besser nachvollziehen.

Und auch Führungskräfte freuen sich über ein ehrliches „Danke, dass du dir dafür Zeit genommen hast“. Sie sind genauso Menschen.

Was sich verändert, wenn Wertschätzung gelebt wird

Ein wertschätzendes Klima verändert spürbar etwas:

  • Menschen bleiben länger.
  • Fehler werden angesprochen statt versteckt.
  • Das Team unterstützt sich gegenseitig, statt nebeneinander zu arbeiten.
  • Und Kund:innen spüren die Stimmung im Salon. Eine entspannte, gesehene Mitarbeiterin berät anders als eine, die innerlich schon auf dem Absprung ist.

Checkliste: Wertschätzung im Salonalltag

  • Heute mindestens einmal konkret gelobt?
  • Danke gesagt, auch für Selbstverständliches?
  • Zugehört, bevor ich entschieden habe?
  • Den Terminplan so gestaltet, dass Pausen wirklich möglich sind?
  • Eine Idee aus dem Team aufgegriffen oder zumindest ernsthaft besprochen?
  • Offen gesagt, wenn ich selbst keine Antwort habe?
  • Gefragt, ob die Situation für beide Seiten passt?

Häufige Fragen

Warum ist Wertschätzung im Friseursalon so wichtig?

Weil Menschen dort bleiben, wo sie gesehen werden. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist Wertschätzung einer der wirksamsten Wege, ein Team langfristig zu halten.

Woran erkennt man, dass sich Mitarbeiter:innen innerlich zurückziehen?

Der Rückzug beginnt meist leise: Jemand wird stiller, bringt sich weniger ein, meldet sich seltener zu Wort. Wer diese Zeichen früh wahrnimmt und das Gespräch sucht, kann oft noch etwas verändern.

Wie lobt man Mitarbeiter:innen richtig?

Konkret und zeitnah. Statt eines allgemeinen „Gut gemacht“ benennst du genau, was dir aufgefallen ist und warum es dir wichtig war.

Was bedeutet Führung auf Augenhöhe?

Zuhören, nachfragen und das Team in Entscheidungen einbeziehen, die alle betreffen. Die Verantwortung bleibt bei der Führungskraft, aber Lösungen entstehen gemeinsam.

Reicht Lob, damit sich Mitarbeiter:innen wertgeschätzt fühlen?

Nein. Wertschätzung zeigt sich auch in Rahmenbedingungen: eine faire Terminplanung, echte Pausen und eine faire Bezahlung, die auf richtig kalkulierten Preisen beruht.